Freiheitsentziehende Maßnahmen in der Eingliederungshilfe

Titel:
Rechtssicher entscheiden und verantwortungsvoll handeln
Beschreibung:

Freiheitsentziehende Maßnahmen (FEM) gehören zu den sensibelsten Themen in der Eingliederungshilfe. Sie greifen unmittelbar in das Grundrecht auf Freiheit der Person ein und stellen Mitarbeitende täglich vor anspruchsvolle rechtliche, pädagogische und ethische Entscheidungen. Gleichzeitig besteht die Herausforderung darin, Menschen mit Unterstützungsbedarf wirksam zu schützen, ohne ihre Selbstbestimmung unnötig einzuschränken.

Der Seminartag vermittelt praxisnah die rechtlichen Grundlagen freiheitsentziehender Maßnahmen sowie deren Bedeutung für den Arbeitsalltag in besonderen Wohnformen der Eingliederungshilfe. Dabei werden die Voraussetzungen einer richterlichen Genehmigung, Dokumentationspflichten sowie die Verantwortung der Einrichtung und der Mitarbeitenden verständlich erläutert.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Frage, wie freiheitsentziehende Maßnahmen möglichst vermieden werden können. Gemeinsam werden pädagogische Handlungsmöglichkeiten, präventive Ansätze und geeignete Alternativen entwickelt, um Sicherheit, Selbstbestimmung und Teilhabe bestmöglich miteinander zu vereinbaren.

Darüber hinaus werden aktuelle Fragestellungen aus der Praxis, wie der Einsatz technischer oder digitaler Hilfsmittel (z. B. Türalarme, Sensormatten oder GPS-Systeme), unter rechtlichen und pädagogischen Gesichtspunkten eingeordnet. Anhand aktueller Rechtsprechung und praxisnaher Fallbeispiele werden typische Entscheidungssituationen gemeinsam analysiert und Handlungsmöglichkeiten entwickelt.

Der Seminartag verbindet kompakten Fachinput mit einem hohen Praxisanteil. Gruppenarbeiten, Fallbesprechungen und der intensive Erfahrungsaustausch unterstützen die Teilnehmenden dabei, ihre Handlungssicherheit zu stärken und verantwortungsvolle Entscheidungen im Spannungsfeld zwischen Schutzauftrag, Selbstbestimmung und professioneller Begleitung zu treffen.

Inhaltliche Schwerpunkte

  • Rechtliche Grundlagen freiheitsentziehender Maßnahmen
  • Aktuelle Rechtslage nach dem Betreuungsrecht und dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB)
  • Voraussetzungen richterlicher Genehmigungen
  • Abgrenzung zwischen Freiheitsentziehung, Freiheitsbeschränkung und zulässigen Schutzmaßnahmen
  • Verantwortlichkeiten der Mitarbeitenden, der Einrichtung sowie der gesetzlichen Vertretung
  • Dokumentations- und Nachweispflichten
  • Selbstbestimmung, Teilhabe und Schutzauftrag
  • Ethische Fragestellungen im Spannungsfeld zwischen Fürsorge und Freiheitsrechten
  • Prävention und Alternativen zu freiheitsentziehenden Maßnahmen
  • Technische und digitale Freiheitsbeschränkungen (z. B. Türalarme, Sensormatten, GPS-Ortung, verschlossene Wohnbereiche) – rechtliche Einordnung und Grenzen
  • Deeskalation und professionelles Krisenmanagement
  • Teamkommunikation und Entscheidungsprozesse
  • Aktuelle Rechtsprechung und deren Bedeutung für die Praxis
  • Bearbeitung praxisnaher Fallbeispiele
  • Erfahrungsaustausch und Reflexion des eigenen beruflichen Handelns

Lernziele

Nach Abschluss des Seminars

  • kennen die Teilnehmenden die rechtlichen Grundlagen freiheitsentziehender Maßnahmen in der Eingliederungshilfe,
  • können sie freiheitsentziehende Maßnahmen von zulässigen Schutz- und Unterstützungsmaßnahmen sicher abgrenzen,
  • verstehen sie die Voraussetzungen richterlicher Genehmigungen sowie die Anforderungen an Dokumentation und Nachvollziehbarkeit,
  • kennen sie die rechtlichen Rahmenbedingungen beim Einsatz technischer und digitaler Hilfsmittel,
  • reflektieren sie pädagogische, ethische und institutionelle Spannungsfelder,
  • entwickeln sie praxisnahe Alternativen zu freiheitsentziehenden Maßnahmen,
  • stärken sie ihre Handlungssicherheit in Krisensituationen und bei Teamentscheidungen,
  • können sie aktuelle Rechtsprechung auf ihren Berufsalltag übertragen und
  • handeln sie sicherer im Spannungsfeld zwischen Schutzauftrag, Selbstbestimmung und Teilhabe.

Methodik

  • Fachvortrag mit Diskussion
  • Praxisnahe Fallbeispiele
  • Gruppenarbeit und kollegialer Erfahrungsaustausch
  • Reflexion typischer Situationen aus dem Arbeitsalltag
  • Bearbeitung aktueller Gerichtsentscheidungen und Praxisfälle
  • Entwicklung konkreter Handlungsstrategien für die eigene Einrichtung
Zielgruppe:
Pädagogische Fachkräfte, Heilerziehungspflegerinnen, Pflegefachkräfte, Assistenzkräfte, Quereinsteigerinnen, Wohnbereichsleitungen sowie weitere Mitarbeitende in besonderen Wohnformen und ambulanten Angeboten der Eingliederungshilfe
Beginn:
10. Juni 2027, 09:00
Ende:
10. Juni 2027, 16:00
Anm.-schluss:
5. März 2027
Ort:
Geschäftsstelle
Leitung:

Dr.rer.nat. Frank-Timo Lange
MBA

Kosten:
215,00 €
Nummer:
48-27

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