Macht erkennen – Haltung reflektieren – Selbstbestimmung stärken
Pflege und Assistenz in der Eingliederungshilfe bedeuten weit mehr als die Versorgung von Menschen mit Behinderungen. Sie sind geprägt von Beziehungen, Verantwortung und der täglichen Aufgabe, Selbstbestimmung und Teilhabe zu ermöglichen. Gleichzeitig entstehen im Arbeitsalltag Situationen, in denen Fachkräfte Entscheidungen treffen, Orientierung geben, Grenzen setzen oder stellvertretend handeln.
Dieses praxisorientierte Seminar sensibilisiert die Teilnehmenden für Machtstrukturen in der Eingliederungshilfe und im Pflegealltag. Es lädt dazu ein, die eigene professionelle Rolle bewusst zu reflektieren und das eigene Handeln im Spannungsfeld von Fürsorge, Assistenz, Schutz und Selbstbestimmung kritisch zu betrachten.
Wann unterstütze ich Selbstbestimmung – und wann entscheide ich stellvertretend? Wo endet notwendige Fürsorge und wo beginnt Bevormundung? Wie beeinflussen institutionelle Abläufe, Zeitdruck und Routinen mein berufliches Handeln? Und wie können professionelle Beziehungen so gestaltet werden, dass sie Sicherheit geben und zugleich größtmögliche Autonomie ermöglichen?
Anhand praxisnaher Fallbeispiele, Gruppenarbeiten und Reflexionsübungen setzen sich die Teilnehmenden mit Macht und Abhängigkeit, professioneller Beziehungsgestaltung, Nähe und Distanz sowie dem Konzept des Empowerments auseinander. Dabei stehen nicht Schuldzuweisungen im Mittelpunkt, sondern die Entwicklung einer reflektierten, ressourcenorientierten und personenzentrierten Haltung.
Lernziele
Nach dem Seminar können die Teilnehmenden:
- Machtstrukturen im Arbeits- und Pflegealltag erkennen und reflektieren,
- das eigene berufliche Rollenverständnis kritisch hinterfragen,
- zwischen notwendiger Fürsorge, Unterstützung und Bevormundung unterscheiden,
- institutionelle Rahmenbedingungen und deren Einfluss auf das eigene Handeln einordnen,
- Empowerment als professionelles Handlungskonzept verstehen und anwenden,
- Selbstbestimmung, Teilhabe und Selbstwirksamkeit gezielt fördern,
- Nähe und Distanz in professionellen Beziehungen bewusst gestalten,
- eigene Handlungsmöglichkeiten für einen personenzentrierten Arbeitsalltag entwickeln.
Inhalte
- Eingliederungshilfe und Pflege im Spannungsfeld von Versorgung, Assistenz und Selbstbestimmung
- Macht und Abhängigkeit in professionellen Beziehungen
- Offene und verdeckte Formen von Macht im Arbeitsalltag
- Einfluss von Routinen, Zeitdruck und institutionellen Strukturen
- Professionelle Haltung und Reflexion des eigenen Rollenverständnisses
- Menschenbild, Werte und persönliche Erfahrungen
- Nähe und Distanz professionell gestalten
- Die Fürsorgefalle erkennen und vermeiden
- Empowerment als professionelle Haltung und Handlungskonzept
- Selbstbestimmung, Teilhabe und Selbstwirksamkeit fördern
- Ressourcenorientierte und personenzentrierte Unterstützung
- Reflexion eigener Situationen und Fallbeispiele aus der Praxis
- Entwicklung konkreter Handlungsalternativen
- Transfer in den beruflichen Alltag
Fachliche Orientierung
Die Inhalte orientieren sich an den Grundgedanken der UN-Behindertenrechtskonvention, dem Bundesteilhabegesetz sowie aktuellen fachlichen Ansätzen zu Personenzentrierung, Empowerment, Teilhabe und Selbstbestimmung.
Dr.rer.nat. Frank-Timo Lange
MBA